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OStDir. Hans Happes

Doktorand am KIT
Auswahlkriterien für Schulleiterbesetzungen


Arbeitsschwerpunkt

 

Der Rektor als „Lehrer mit Verwaltungsaufgaben“, dessen Professionalität und Qualifikation für Schulleitungsaufgaben keine oder nur eine geringe Rolle spielen, gibt es nicht mehr. Sowohl Schulqualitätsforschung als auch Schulentwicklungsforschung ordnen dem Schulleiter und seinem pädagogischen Leadership eine zentrale Rolle zu. Mittlerweile hat sich auch in Deutschland die Einsicht durchgesetzt, dass die Arbeit eines Schulleiters ein eigener Beruf mit eigenem Berufsbild ist, der einer auf ihn zugeschnittenen Qualifizierung bedarf und der ein angemessenes Zeitbudget erfordert. Anders als in den angelsächsischen Ländern spielte das Thema Schulleitung im deutschsprachigen erziehungswissenschaftlichen Diskurs bis in die 1990er Jahre keine wesentliche Rolle. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Berufsbild des Schulleiters, dem veränderten Selbstbild und Selbstverständnis scheint unabdingbar, um zu einer Neupositionierung von Schulleitung zu kommen.

Gesellschaftliche Veränderungen, häufige Umwälzungen und Neuerungen im Bildungs- und Schulsystem sowie kontinuierlicher Wandel und Entwicklungsprozesse innerhalb der Einzelschule erhöhen die Ansprüche, die an den Schulleiter gestellt werden. Stephan G. Huber (2009) spricht von Rollenkomplexität und sieht im Schulleiter unter anderem „einen Organisationsentwickler, einen Finanzmann und Unternehmer, einen Architekt und Gebäudemanager, einen Vermittler und Mediator, einen Verwalter und Organisator, einen Homo Politicus, einen Personalentwickler, ein Vorbild und einen Repräsentanten“.

Martin Bonsen (2006) stellt die Frage: „Macht die Schulleitung einen Unterschied?“ Er kommt zu dem Ergebnis, dass die Qualität der Schulleitung ein entscheidender Faktor für Schulqualität und -effektivität ist. Zu den zentralen Merkmalen einer wirksamen Führung in der Schule zählt er zielbezogene Führung, Innovationsoffenheit, partizipative und integrative Entscheidungsfindung sowie Organisationskompetenz.

Angesichts dieser Sachverhalte ist ein Schulleiterauswahlverfahren notwendig, das eine hohe prognostische Validität garantiert, eine zuverlässige Vorhersage des späteren beruflichen Erfolgs zulässt und Fehlentscheidungen minimalisiert.

Ebenso wichtig scheint ein professionelles Qualifizierungskonzept, das bereits vor der Auswahl beginnen sollte und anschließendes lebenslanges Lernen impliziert. So forderte Jochen Wissinger bereits 1996 eine qualifizierende und formalisierte Ausbildung, um zu verhindern, dass Schulleiter in Deutschland nicht in ihrer Rollenidentität als Lehrer verhaftet bleiben. Insgesamt kann man feststellen, dass in der letzten Zeit vermehrt Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen in den Fokus der Schulleitungsforschung geraten sind.

Folgende Fragestellungen stehen im Mittelpunkt:

  • Wie haben sich die Anforderungen an Schulleiterhandeln in der Folge sich wandelnder Ansprüche und Anspruchsgruppen verändert?
  • Wie hoch ist die prognostische Validität der gegenwärtigen Auswahlverfahren?Welche Verbesserungsmöglichkeiten gibt es und wie sind sie umsetzbar?
  • Welche Elemente sollte ein verbessertes Auswahlverfahren beinhalten?
  • Inwieweit sind Rekrutierungsmethoden aus der Wirtschaft auf den Schulbereich übertragbar?
  • Wie sinnvoll ist eine berufsspezifische Qualifizierung vor dem Auswahlverfahren und vor dem Amtsantritt und wie könnte diese gestaltet sein?
  • Wie sind bereis vorhandene Möglichkeiten wie beispielsweise Fernstudiengänge an Universitäten (Schulmanagement) oder die neu eingeführten Qualifizierungsseminare der baden-württembergischen Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen zu bewerten?