5 Fragen an … PD Dr. habil. Christian Steib
1. Wie hat sich Ihr Verständnis von „Lehren“ seit Ihrer ersten Vorlesung verändert – und welche Rolle spielt dabei das Feedback von Studierenden?
Zu Beginn habe ich Lehren vor allem als die Aufgabe verstanden, Fachwissen verständlich zu vermitteln. Heute sehe ich Lehre deutlich stärker als einen gemeinsamen Lernprozess. Mein Ziel ist es, Lernräume zu schaffen, in denen Studierende aktiv mitdenken, diskutieren und eigene Lösungswege entwickeln können.
Das Feedback der Studierenden spielt dabei eine wichtige Rolle. Es hilft mir, Lehrveranstaltungen kontinuierlich weiterzuentwickeln und zeigt mir, welche Methoden und Inhalte gut funktionieren oder an welchen Stellen ich nachjustieren sollte. Besonders schätze ich den direkten Austausch während der Veranstaltungen – denn gute Lehre lebt davon, dass Lehrende und Studierende voneinander lernen.
2. Was war Ihr persönlich prägendstes Praxisprojekt im Studium oder in Ihrer Forschung, und welchen Einfluss hatte es auf Ihre Sichtweise der Berufspädagogik?
Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, hier ein einzelnes Projekt hervorzuheben. Ich hatte das Glück, an vielen spannenden Praxis- und Forschungsprojekten mitarbeiten zu dürfen, und jedes davon hat meine Sichtweise auf unterschiedliche Weise geprägt. Aus jedem Projekt konnte ich fachlich, methodisch und persönlich wertvolle Erfahrungen mitnehmen.
Besonders deutlich wurde mir dabei, wie wichtig der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis ist. Wenn Forschung gemeinsam mit Bildungseinrichtungen, Unternehmen oder anderen Praxispartnern gestaltet wird, entstehen Lösungen, die wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig praxisnah sind. Genau dieser Brückenschlag macht die Berufspädagogik für mich aus und motiviert mich bis heute.
3. Welche drei Werte sind für Sie unverzichtbar, wenn Sie ein Team (z. B. Forschungsgruppe, Lehrteam) zusammenstellen – und warum?
Für mich sind Wertschätzung, Verlässlichkeit und Neugier die wichtigsten Grundlagen einer guten Zusammenarbeit. Wertschätzung bedeutet, unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen und ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich alle einbringen können. Verlässlichkeit schafft Vertrauen und bildet die Basis dafür, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und sich aufeinander verlassen zu können.
Neugier ist für mich der Motor von Forschung und Lehre. Sie motiviert dazu, Fragen zu stellen, neue Ideen auszuprobieren und Bestehendes kritisch zu hinterfragen. Wer neugierig bleibt, entwickelt sich kontinuierlich weiter – und genau daraus entstehen oft die spannendsten Projekte und die besten Lösungen.
4. Welche Kompetenzen sind für eine Karriere in der Forschung und Lehre der Berufspädagogik besonders wichtig, und wie kann man sie bereits während des Studiums aufbauen?
Neben einer guten fachlichen Grundlage sind für mich vor allem analytisches Denken, wissenschaftliches Arbeiten und die Fähigkeit wichtig, unterschiedliche Perspektiven miteinander zu verbinden. Die Berufspädagogik bewegt sich an der Schnittstelle von Bildung, Technik, Wirtschaft und Gesellschaft. Deshalb sind Offenheit für interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie die Bereitschaft, sich mit neuen Technologien – beispielsweise Künstlicher Intelligenz – auseinanderzusetzen, heute wichtiger denn je.
Viele dieser Kompetenzen lassen sich bereits im Studium entwickeln – etwa durch Projektarbeiten, die Mitarbeit in Forschungsprojekten, Praktika oder studentische Hilfstätigkeiten. Wer neugierig bleibt, Verantwortung übernimmt und den Austausch mit Wissenschaft und Praxis sucht, schafft eine hervorragende Grundlage für den weiteren Berufsweg.
5. Welche Tipps haben Sie für Studierende, die bereits während des Studiums berufspraktische Erfahrungen sammeln wollen (z. B. Praktika, Werkstudentenstellen oder Projektarbeiten)?
Mein wichtigster Tipp ist, möglichst früh praktische Erfahrungen zu sammeln und dabei offen für unterschiedliche Aufgaben und Arbeitsfelder zu sein. Praktika, Werkstudententätigkeiten oder Projektarbeiten bieten die Chance, theoretisches Wissen anzuwenden, Kontakte zu knüpfen und herauszufinden, welche Themen einen wirklich begeistern.
Dabei geht es aus meiner Sicht nicht darum, möglichst viele Stationen im Lebenslauf zu sammeln. Viel wichtiger ist es, Verantwortung zu übernehmen, Fragen zu stellen und die eigenen Erfahrungen bewusst zu reflektieren. Gerade die Verbindung von Theorie und Praxis ist eine große Stärke der Berufspädagogik und eine wertvolle Grundlage – unabhängig davon, ob der spätere Weg in die Wissenschaft, in Bildungseinrichtungen oder in die Wirtschaft führt.